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BREITENFURTER TERZINEN (B. J., Februar / März 1988)
(Der Ulrike H. nachgewomden; gewomden auch der Emsi W., die ich gegenwargt sowieso fast überall dazuschreibe und dem Karsten Fleischer, weil der solche Zustände kennt. - Besonders hervorgehoben sei aber die tiefsinnige Nina Z. / Auf Hochthoytsch)

"Ein Tee natur, der Herr!" - Ich war erst neulich
in Breitenfurt, im Gasthaus "Grüner Baum".
In Liesing leben? Mir wär's unerfreulich;

doch sich in jenen Vorort fügen? Kaum!
Wo gibt es Ragwurzwiesen, Riemenzungen?
Der Siedlersinn gibt Wildwuchs keinen Raum.

Nichts Neues? Jeder Vers zerdacht, zersungen?
Da hilft kein Stelzen im Terzinenschritt,
denn Ungeformtes ist emporgedrungen.

An den Zivildienst denk ich vorerst. Tritt
dem Tod entgegen, Siechenpfleger - stießen
sie mich in aussichtslosen Kampf! Es schnitt

die Schere, als wir müd' den Saal verließen
und Windeln und Verband gewechselt waren.
Ein frommer Wunsch: Die Gnade zu genießen,

Freund Heins Gefiedel folgend, sanft zu fahren.
Nichts Sanftes schwang in ihren Atemzügen.
Voll Scheu berührte sie an Silberhaaren

der Pfleger - Freund. Der haßt nun solche Lügen:
Berechnung treibe zum Zivildienst an,
beherzt sei der Soldat. Ach, euch betrügen

die Offiziere. Scheiß der Kormoran
den Stichlern in die Augen! - Hurtig weiter
in meiner Rückschau: Ich verließ die Bahn

des glatten Daseins. Sollte man nicht heiter
die Rolle nehmen aus des Rektors Hand?
Da fehlten Sprossen auf der Lebensleiter ...

Ich fiel. In Todesängsten starrend, fand
ich mich im Stahlbett. Die Provinzklapsmühle
ist zwar bestückt mit Zauberflaschen, Brand

der Seele, dich zu löschen. Aber Kühle
kehrte erst ein, als ich mich - knapp - empfahl:
Adieu, du Mutterstadt, Neurosenschwüle!

Nun lockt das Wunschbild: Farbenfroh, statt fahl!
Ich darf auf manchen Liederabend hoffen,
auf Schriften, nicht nur für ein Fachjournal.

Zuckmückenforscher bin ich, an den schroffen
Kontrast zu meinen Künsten hab' ich mich
noch nicht gewöhnt, doch bleibt mein Leben offen.

Erst Larmoyanz, dann Dünkel? Fragst du dich,
was dies Gedicht bezweckt? Ich sprach von Zwängen,
von Depression, vom Tode - einen Strich

macht Sophokles mir durch die Verse; mich bedrängen
die Worte: "Nichts ist ungeheurer als
der Mensch." Die Hoffnung bleibt mir, dich beengen

nicht Brauch und Richtschnur, Fülle schwände, falls
die frühe Leidenschaft, vielleicht das Langen
nach Halt, dich täuschten. Trotz des Klagenschwalls,

trotz fremder Pfeiflein, Göpelwerken, - schwangen
sich Wünsche nicht empor, für die der Mond
im Wassermann, der Lerchenflug, dein Prangen

im Sportlerstolz, dem Fechtkunst innewohnt,
Symbole sind? Ich kann wohl nie erfragen,
was mich, uneingestanden - unbelohnt -

bei jenem Gschnas zu dir zog. Warum plagen
mich derlei Projektionen? Wie verrückt,
"Entflieh' mit mir, und sei mein Weib*" zu sagen!

Terzinen, wären sie auch wohlgeglückt,
verscheucht ein Fingerschnips wie Sperlingsscharen.
- Der Beutel herben Tees war ausgedrückt,

- und ohne Gleichmut bin ich weggefahren.

  • Zitat: "Tragödie": Heinrich Heine / Robert Schumann Op. 64. Nr.o 3














<poem>SCHISMA (B. J.; in so rotz- wie saufrecher Wayse verschomp von Anonymus)

Hier gilt Dein Wort, Homer, als wäre es Psephisma und wie Pergamen, edel, mit Aposphragisma; aus uns'rer vieler Sätze gibt es ein Porisma. (Wir scheinen oft zu scheinen wie ein Asterisma ...) - Ich will mich einmal säubern mit gewiechnem Chrisma, die freche "Bapp'm" läutr' ich, scharf, durch Gargarisma, (Zumindest gurgle ich im Maul mit Diaklisma.) Hei, des Bushido Streich tilg ich an Oplochrisma! - 'Gesilbel' wäre das, denkt Ihr, 'wie oft: Melisma' und nicht einmal Sophismus - öder: 'ein Sophisma'. 'Solch wildes Farbgeflimmer bricht an keinem Prisma.' - ? - - Erklingt das nun vielleicht, als stämme ich für: WISMAR - ?<poem>