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Schwarzgall-Verslein

Knarrz, schon sparrst du, Türkenschanzwirt;
von der Turmuhr balmm es elf.
Ich wurt lang schon unterm Ahorn,
würde ausharr’n bis um zwölf.
Drin im Brustkorb storlp das Herz mir -
und im Kopf atz Melancholie.
Ach, Ersehnte, DU versprachst heut’
solche Zärte! – Mit Berthold flieh!
Doch der fade Vogelkundling
hockt mit DIR stolz im Nest als Hahn,
und er heißt mich: „blader Hundling“ –
mit der Schnauze am Kittel dran...
Zwölf – halb eins wurd’s, im Schilf am Parkteich
luchen Seefrösch’ mich rotzfrech aus:
„Har-Har-Haarr!“ „Här-Här-Härr-Härr-Häärr-Häärr!“
„Kwu-a-Kwoo-ock!“ – Rabatz und Graus!
Ich Versotz’ner – – Heupferd flarsp mir –
das Weinhähnchen – doch lang ist ,Wein‘.
Falsche Silbe – Falsches Goldkind –
Falscher Vogel – schon nack ich ein.. .

                                 *

Als Fritz Würgfalk, voller Kampflust,
Ulrich Uhu nächtens traf,
krisch er: „Schmach dir, alter Feigling,
krallst den Habicht nur im Schlaf!
Jetzt der Kriegstanz für den Fettwanst:
Guck mir zu – und nenn mich Baron!“
Ulrich Uhu merkt’s am Gaukeln:
„Der ist nachtblind“ – und packt’n schon.
Falkenbrüstlein gibt’s als Festschmaus - -

                              *

Dummer Traum, kurz und aggressiv;
und die Sonn’ kaltz mich zum – „Ha-tschii!“
Halt – ,Für Bertl‘ – dort ist ein Brief!
Nicht von DIR ist er, vom Gotthard:
Schalmpf ist jeder verflixte Satz.
’s kommt dazu ein Pornofoto;
was ich ohn schon: Hi hi, der Spatz!
Das Gelacht erklingt verzwiefall’n.
Ich versink in der Depression.
Angst und Zwang und Schwarzgall-Verslein. –
Doch von DIR komm ich nicht davon.

Berthold Janecek

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