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Nach Jakob und Wilm Grimms Kind- und Hausmär „Sächsä komm’n durch di ganzä Wält“, worin caru tatwortstärksam das ausspor, was im ABC an Platz Numro fünf stand.

Da ging mal so’n Mann voll Mut und Kampflust zum Militär und ward da Soldat, danach auch Hauptmann. Das macht’ ihn dann so stolz, daß alt und jung früh und spät nur noch „Hauptmann“ zu ihm sug, als stünd’s so im Taufbuch. Jahr und Tag ging’s ihm damit gut; doch dann zog Ruh’ ins Land, und in Hinkunft war nichts mit Kampf und Schlacht. Da schmiß man ihn vom Militär raus und gab ihm bloß paar Mark als Sold. O Undank! Da stand man nun samt Hauptmannsrang, sah nicht, was tun, und wornd knurrig ins Land hinaus.

Alsbald lag knorrig das Walddickicht vor ihm. Im Wald drin stand so’n Typ, gigantisch stark, pfluck Baum um Baum, als wär’s Gras, schacht das Holz zuhauf, walck noch’n Aststück als Traggurt darum und trug’s so davon. Hauptmann sprach: „Hallo, du! Komm doch mit mir! Mit sowas von Kraft holt man sich doch sonst was, und nicht bloß Holz im Wald.“ „Komm’ schon“, wurt Kraftprotz ant, „nur zuvor trag’ ich noch das Bund Holz da nach Haus zu Mami.“ Sprach’s, trug’s fort, kam zurück und ging mit. „Nun sind wir schon zwo“, sprach Hauptmann, „so kommt man wohl gut voran im Land.“

Das Paar wornd dahin durch Wald und Busch. Da saß grünwamsig am Anstand so’n Waidmann, Wang’ hart am Lauf, und zal voll Sorgfalt - nur worauf? Hauptmann frug: „Grüß dich Gott, Nimrod! Auf was für Wild bist du scharf? Ich späh’ und späh’, und mich dünkt, da ist nichts.“ Nimrod wurt ant: „Achtzig Yards vor uns hockt im Gras das, was auch oft im Haar haust und wozu man Floh sagt; das jug ich schon lang, nun hab’ ich’s vor’m Rohr. Spöh’s mal nach uns, schöss’ ich ihm links das Aug aus.“ „Oh, dann komm nur mit“, sprach Hauptmann, „wir zwo Mann und du dazu, so kommt man wohl gut voran im Land.“

Zu dritt wornd man fort bis ins Windmühltal, wo man nach Landvolks-Tradition mit Windkraft Korn muhl. Da ging’s nun wüst zu: das Windmühlrad drah und drah sich ganz hastig, obwohl’s nicht stürmisch war und das Laub am Baum ganz ruhig dahing. Hauptmann wurnd sich: „Was hat doch das Mühlrad? Das rast ja rundum, als plüg’s Satanas, und ’s ist doch gar nicht windig.“ Da saß hoch am Ast im Baum so’n Typ und schnob links durchs Nasloch Luft hinaus, wovon Sturmwind in Richtung Mühlrad wah. „Ogottogott! Mann, was machst du da am Baum?“ „So macht man das im Windmühltal; ich hauch’ Wind aus, damit das Rad gut läuft.“ „Ist das so, dann komm doch mit; zwo und noch zwo, so kommt man wohl gut voran im Land.“ Sturmschnauf klomm vom Baum und kam auch mit. (Daraufhin mold man im Tal Kornmahlzunft-Konkurs an, und noch krag man dort nicht raus, warum sich dazumal so plötzlich das Klima wolnd.)

Und voran ging’s. Alsbald stand nah am Pfad noch’n Mann, doch stand, fast nach Kranichart, nur links auf’m Fuß; Fuß Numro zwo lag, mit Schnall’ und Band dran, im Sand. Hauptmann sprach: „Du hältst da ja ulkig Rast. Macht man das dort, von wo du kommst, sonst auch so?“ „Och, das paßt schon“, wurt Schnallfuß ant, „ich lauf’ ja so schon so rasch; schnöll’ ich das Ding da auch noch an, flög’ ich glatt davon, dann käm’ mir sogar das Licht kaum nach.“ „Gut so; dann laß das so und komm mit. Zwo und zwo und noch du dazu, so kommt man wohl gut voran im Land.“

Froh wornd man zu fünft. Gar nicht lang stund’s an, da kam, man ahnt nicht von wo, so’n Mann mit Hut am Kopf. Nur saß ihm das Hutdings ganz schräg, ja hing fast nur links am Ohr. Hauptmann sprach: „Ja, hallo! Prächtig, prächtig! Nur rück dir doch das Käppi grad, anstatt aufs Ohr; so schaust du ja ganz und gar nach Hanswurst aus.“ „Ich darf’s nicht tun“, wurt man ihm ant, „rächt’ ich das Käppi grad, würd’s auf Knall und Fall so arg frostig, daß Rab’, Kräh’, Schwan und Wildgans im Flug abfrör’ und uns hart aufs Haupt stärz’.“ „So komm du auch noch mit, Frosthut! Wir fünf und du dazu, so kommt man wohl gut voran im Land.“

Lustig wornd man dahin, Hauptmann und Kraftprotz und Nimrod und Sturmschnauf und Schnallfuß und Frosthut, bis man zum Schluß zur Hauptstadt kam. Dort war grad Krug-Marathonlauf im Gang. Vom König aus ward lautbar, säg’ man im Lauf so haushoch, daß man sogar das Königskind, das Gör, abhing’, so würd’ man ihr Mann und ürb’ das Land samt Hauptstadt und Kronschatz; doch ör’ man’s prob und säg’ nicht, so lönd’ man kopflos am Schafott. Hauptmann mold sich forsch zum Marathon an, doch sprach stolz zum König: „Ich lauf’ nicht; wozu bin ich Hauptmann? Für mich tritt Lakai Schnallfuß zum Lauf an.“ „Ist gut, nur gilt dann das Statut Numro acht; haut’s nicht hin, so köpft man auch dich und nicht nur ihn.“ Hauptmann fand’s in Ordnung, ging hin, schnoll Schnallfuß Fuß Numro zwo an und sprach: „Lauf los, was du kannst, sonst schaut’s für dich und mich nicht gut aus.“

Nun ging Krug-Marathon so: Anfänglich ging’s mit Krug im Arm am Laufpfad lang zum Born, worin mannshoch das Naß stand. Daraus schapf man dann händisch was vom Naß und trug solch Krugvoll Flut im Laufschritt zum Start zurück. Das lag Schnallfuß durchaus; als das Königsgör noch fast am Start stand, sah man ihn schon fast am Born: kam an, schapf und sus, Krug voll, zurück Richtung Startbahn. Das Publikum klotsch, als dräh’s grad durch. Doch im Rücklauf, so nach Halbmarathondistanz, ward ihm matt zumut; Schnallfuß satz sich hin, lug das Haupt auf’n Kopf von’m Roß, das tot dortlag, strack sich aus und schlormm so ruhig am Laufbahnrand, als läg’ nichts dran. Das Königskind nun, das zwar nicht ganz so früh dran, doch auch ganz gut zu Fuß war (so gut halt Normal-Fußvolk zwofüßig läuft), kam solang am Born an, schapf und trug das Naß im Krug zurück; da traf’s Schnallfuß im Schlaf an. „Hab ich dich, du Faulian; so läuft man dazuland nicht Marathon“, sprach’s, warf das Krugdings um, daß das Naß daraus rann, und rannt’ flugs davon.

Ihr war schon, man rich’ ihr vorm Rathaus Kranz und Goldpokal als Prämium, da sah Nimrod vom Schloßdach aus, was sich tat. „Satanas nochmal! Ist das unfair!“ Sprach’s, lud das Rohr und schoß scharf auf das Roßhaupt, sodaß Schnallfuß’ Kopf am Asphalt lond, was ihn jäh aufwock. Als ihm klar ward, daß nichts im Krug drin und das Königsgör schon fast da war, fuhr’s ihm ins Fußpaar, als wär’s Blitzschlag; im Vollgalopp ging’s zum Born und nochmals, Krug voll, zurück zum Startpunkt; ob man’s glaubt, ob nicht, Schnallfuß stand dort zum Schluß mit zwanzig Yards Vorsprung. „Schaut nur“, klang’s voll Stolz, „wo’s drauf ankommt, läuft man halt richtig; davor war’s Volksschul-Jogging, nicht Marathonlauf.“

König samt Gör war ganz krank vor Grimm. Man ahnt schon: Königskind als Frau vom Militärhauptmann a. D., sowas macht sich nicht gut im Stammbaum; das Lokal-Klatschblatt lacht sich kaputt, und man kommt als Dynast völlig auf’n Hund. „Ach, daß dir drob nur nicht bang wird, Kind; das Volk ist aufsässig, doch ich bin schon so lang Monarch, ich hab’ Ahnung, was man da macht, damit man sowas loswird.“ Sprach’s und lud Hauptmann samt Anhang zum Marathon-Abschlußmahl mit Schampus und Kaviar und was so dazu paßt. Nur, im Saal, wo das Mahl stattfand, gab’s als Wand und Plafond und Grund, worauf man stand, nichts als Chromstahl; das Tor war auch aus Stahl, und sonstwo als zum Tor kam man nicht raus.

Da man’s zunächst nicht mork, aß und trank man, was nur ging (kam ja vom Staatshaushalt, und wo man nicht zahlt, frißt man fünffach). Nun stand das Stahlhaus ganz auf Holz, dürr und harzig, das, wo Glut drankam, rasch in Brand aufging. Da sprach das Aas von Monarch zum Koch: „Zünd’s an, daß das Bratgut gar wird.“ Man tat’s, und nun ward Hauptmanns Anhang drin ganz warm, dann ganz arg warm, dann so warm, daß Finnlands Sauna im Kontrast dazu schon fast kühl wär’. Man kam in Panik, wollt’ zum Tor raus, doch das war zu, und das Schloß dran war gut. Sprach Frosthut: „Früg’ man mich, so dächt’ ich, das schaut ganz nach Mordanschlag aus. Doch daraus, König Soundso, wird nichts; glöh’s auch, als wär’s Lava von Ätna und Stromboli, ich sürg’ für Abkühlung.“ Sprach’s, racht das Käppi grad, und alsbald war’s so kalt im Raum, daß Lachs und Kaviar knallhart fror und das Tischtuch starr ward.

Stund’ um Stund’ ging dahin, und zum Schluß tat man das Tor auf, da König und Königskind dacht’, drin wär’ Mann und Maus schon tot. Doch als das Tor aufging, stand da Hauptmann samt Fünfzahl, frisch und voll im Saft, und sprach: „Gut, daß man uns schon rausläßt; drin ist’s so nordpolar, daß uns sogar Schnaps im Glas so hart fror, als wär’s Granit.“

Königs Zorn traf daraufhin Koch und Kochmannschaft voll. „Was stukt ihr nicht Glut an, laut Anordnung?“ „König, so wahr ich Koch bin, da ist Brand und Glut g’nug; fühlt nur mal.“ Man sah’s und fohl’s, Holz und Stahl stand in Rotglut, und so war’s klar, daß man Hauptmann und Co. so nicht los würd’.

Was mit Brutalität nicht ging, ging schon oft mit Gold. So lud man auch Hauptmann zum König und lug ihm nah: „Willst du Gold zuhauf, anstatt das Königskind zur Frau, so hol dir vom Staatsschatz, was du magst, man gönnt’s dir.“ „Schön, o König“, sprach Hauptmann, „gibt man mir nur das Gold, das Lakai Kraftprotz mir am Kopf nach Haus trägt, so schick’ ich ihn nicht nochmal und lass’ auch das Königskind da.“ Man stumm zu, und Hauptmann fog hinzu: „Acht Tag’ noch, dann komm’ ich und hol’ mir das Gold.“

Sprach’s, ging zum Näh-Zunfthaus, wo man Stoff mir Garn zünftig näht, und acht Tag’ lang noh man dort nichts als Sacktuch, gut achtundachtzig Yards im Quadrat, daß’n Sack rauskam, kolossal von Ausmaß. Damit ging dann Kraftprotz zum König und frug nach, wo das Schatzhaus wär’. „O Schmach!“ durchfuhr’s das Königshirn, „was ist das für’n Gigant, und was für’n Sack! Da hat ja halb Fort Knox drin Platz. Walt’s Gott, daß das gut ausging’!“

Kraftprotz stand schon vor’m Schatzhaus, und man trug ihm zu zwanzig Mann Gold raus; doch das sah im Sack aus, als wär’s gar nichts. „Nur frisch, holt ruhig noch was, so’n paar Handvoll, das taugt nur als Anfang.“ Man bracht’ nochmal Gold, und dann nochmal, und da sah das Schatzhaus schon ganz hohl aus, doch im Sack war noch gut Platz. “Marsch, marsch, nicht so lahm, das zahlt sich noch kaum aus, daß man’s fortträgt!“ Da fuhr man noch zusätzlich Gold aus In- und Ausland, was nur packbar war, vor’s Schatzhaus; Kraftprotz puk auch das, samt Roß und Fuhrmann. „Nun, sag’ ich halt mal, das langt; man band wohl auch sonst schon mal’n Sack zu, wo noch Platz drin war; man ist ja nicht so.“ Sprach’s, band ihn zu, lud ihn auf und zog davon, und Hauptmanns Schar mit ihm.

Als man ihm so Kronschatz samt Kapital forttrug, gromm’s im Königsbauch. „Das Königtum macht Bankrott, Land und Hauptstadt praßt künftig nur noch auf Pump, und da tu’ ich, als ob nichts wär’? Zum Fiskus nochmal, ich duld’s nicht! Macht das Militär mobil; das Gold kommt zurück, und was man im UNO-Rat dazu sagt, ist mir Wurst.“ Als Stoßtrupp zu Fuß und zu Roß stoll man Hauptmanns Kam’radschaft nach, und schon knapp vor’m Waldrand scholl’s martialisch: „Kommando halt! Das Gold muß zurück zum Finanzamt; du Kraftprotz und ihr fünf, ihr sitzt ab sofort in Schutzhaft!“

Sturmschnauf sprach: „Wir und in Haft! War wohl’n Witz. Ihr kämpft ja bloß zu Fuß und zu Roß; Sprung auf, marsch, marsch zum Gratisrundflug!“ und schnob vom Nasloch Sturmwind ins All hinaus, daß Mann und Roß in Taifun und Orkan durch Tal und Au dahinflog. Hoch im Luftraum klug’s: „Hört auf, hört auf! Ich bin vom Sanitätstrupp, ich bin unantastbar.“ „Na dann“, sprach Sturmschnauf und blus nur noch ganz sacht, „land gut, sitz auf und sag zum König, uns wär’s nur billig, daß man uns noch so’n paar Stoßtrupps schäck’, ich hab’ noch Luft dafür.“ Dazu kam’s dann auch vom König aus fast, doch im Kronrat fand man’s zu aufwändig, da doch so und so schon Staatsbankrott anstand, und so war Ruh’.

Hauptmann, Kraftprotz, Nimrod, Sturmschnauf, Schnallfuß und Frosthut kam gut nach Haus, man firr ganz groß, und vom Goldschatz lob sich’s in Zukunft in Saus und Braus. Noch bis dato macht man dort, glaub’ ich, Tag und Nacht Party; falls ihr das auch mögt, dann schaut doch mal hin und macht mit.

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