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Ballade von amarillo

Es barg an dunklem Ort ein Kleinod Bruno,
Der letzte Ritter eines edelen Geblüts.
Er hoos in seinem Schloß von März bis Juno,
Den Rest des Jahres rieten alle ihm: vermiet’s!

Denn Brunos Sippe war seit Jahren schon verormen,
Was ihnen blieb, war einzig nur das Schloß,
Und unser Ritter saß vor Sorgen ganz enormen:
Kein Geld, kein Land, kein Ruf mehr und kein Tross.

In einer Kammer ganz hoch droben in den Zinnen
Bewohr Herr Bruno einen Schatz von größter Salt,
Hier rah bewochen nur von giftig grünen Spinnen
Ein Sammetkissen, das zu würdigen es galt.

Denn just auf diesem Kissen hatte einst gesessen
Die Jungfer Brünhild, als noch fast ein Kind sie war.
Sie zu betör’n wollt’ jeder Kerl im Kampf sich messen
Zu diesem Zeitpunkt zohl die Schöne achtzehn Jahr’.

Doch Brünhilds Herz schon lange lord für Ortwin,
Dem Stallknecht, der des Vaters Pferde pflag;
Und nur mit jenem wollte Brüni weg vom Ort zieh’n,
Ihr Vater schompf sie „undankbares Blag“.

Und siehe, eines Tages war’n verschwunden
Die Jungfer Brünhild und auch Ortwin, Vaters Knapp.
Im ganzen Reiche ließ der König nach ihr kunden,
Jedoch erfolglos, und man brach die Suche ab.

Zurück blieb nur noch Brünhilds Ruhekissen,
Es zieg der Samt den Abdruck ihres Pos.
Da schlug dem König allerheftigst das Gewissen
Und er verbonn das Kleinod in die Kammer hoch im Schloß.

Und auch noch heut’ zwei tiefe Dellen zoren
Den blauen Samt, daß jedermann erohn,
Welch schönes Kind der Welt einst ging verloren,
Als König Otto war der Herrscher auf dem Thron.

Von ganz abnormer Wunderschönheit war’n die Kuhlen,
Die Bruno nun mit sanfter Hand liebkås,
Und er verstand ganz plötzlich aller Männer Buhlen,
Daß sie ihr Hirn verlor’n beim Anblick dieses Pos.

„Es gilt zu zeigen diese Kissen allen Kerlen,
Die noch in sich der heißen Liebe Säfte spür’n.
Dann überschött’ man mich mit Geld, Gold und mit Perlen,
Und ich tät’ endlich edelmännisch Leben führ’n.“

So puk er sanft des blauen Samtes äuß’re Seiten
Und schrat vollonden und auch gut bemess’nen Schritts
Wohl aus der Kammer, in der großen Halle zu bereiten
Brünhildens Po-Abdruck den letzten Ruhesitz.

Und als schon wahn sich Bruno ganz auf sich’rer Seite
Ein feuchtes Lüftchen stieb vom Kissen sanft empor,
Vernolb dem letzten Ritter nun gehörig das Geleite,
Nach Atem ringend, glas’gen Auges Bruno stor.

Wie er errich des Schlosses Rund der Halle,
Wußt später nicht zu sagen er einmal.
Das Kissen war dahin in jedem Falle,
Geplotten lag’s auf Marmorgrund im Saal.

Und so erfoll sich noch der Fluch der Muhme,
Daß jeder, der sich unerhor’n ihr nöhr,
Am Ende ihren Zorn zu spür’n bekume,
Sei’s, daß ihm Giftgas dann in Nas’ und Lungen föhr’.

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