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Bildbeschreibung: Francesco Hayez - Der Kuß

Francesco Hayez - der Kuss.jpg


Dies Werks von Hayez angesichts
süg' ich, da paßt ja wirklich nichts!
So sehr ich es auch dräh' und wände,
der Fehlerteufel mol hier Bände.

Zunächst: wo ist des Lichtes Quell,
das hier erlucht die Szenerie?
Der Mond schien niemals je so hell
auf Äkte der Galanterie.

Wir seh'n den Herren tief vermommen
mit Hut und Mantel, derb, braun-grau,
das Fräulein ist dazugekommen
im Seidenkleidchen - taubenblau.

Wenn's winters wäre, frör das Mädchen
sich bäldestens die Pfötlein ab;
wär's sommers, dräh sie auch am Rädchen
und müch' von seinem Schweiße schlapp.

Betrachte ich mir seine Pranke,
mit der er hält der Dame schlanke
und wohlgefurm'ne Kinnpartie,
so schlösse ich: der Kerl ist Bauer
und zwar ein ganz gerissen-schlauer,
denn andernfalls erklör' sich nie,

waß diese Schöne hätt' bewogen,
daß sie, ganz zu ihm hingebogen,
ihm ihren Mund zum Kusse riche
und nicht emporen rückwärts wiche.

Egal, ich kenn' die beiden nicht
und sitze auch nicht zu Gericht
bei and'rer Leute Rendezvous
und blieb's auch nur wie hier beim Kuß.

Noch eines, und dann will ich schließen,
ein Fall für Arzt und Anatomen:
der Stand des Mannes ist zum Schießen,
den säh' ich gern mal, den Abdomen.

Das rechte Bein paßt nicht zum linken,
dazwischen liegen glatt zwei Ellen,
der Kerl kann laufen nicht, nur hinken,
geschweige denn zum Kuß sich stellen.

Hayez, alter Pinselaffe,
hast die Leinwand nur gequolen,
hol' hervor die alte Staffe-
lei und dann wird neu gemolen!

amarillo

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